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13.09.2010, 21:11 Uhr | Die Zeit - Ausgabe vom 13.09.2010
Besuch von Schavan und Stolz in Illerrieden - Die Zeit berichtet
Umfragen prognostizieren der baden-württembergischen CDU den Machtverlust. Doch die Basis lässt sich weder davon noch von den Demos gegen Stuttgart 21 erschüttern.

 

Wen die Liebe flieht, der mag Kraft und neue Hoffnung bei einem Spaziergang durch die heimischen Fluren finden. So zieht also an diesem herrlichen Wochenendtag eine kleine Gruppe Wanderer von der 3000-Einwohner-Gemeinde Illerrieden, knapp an der Grenze zu Bayern gelegen, ins schöne Regglisweiler. Die Spätsommersonne scheint hell auf dieses Stückchen Land, in dem Traditionen noch etwas gelten und dessen Bewohner die CDU Wahl für Wahl mit Ergebnissen von deutlich mehr als 50 Prozent beschenken. Wegkreuze mahnen zur Besinnung, unter einer besonders aufwendig geschnitzten Jesusfigur steht: "Friede dem, der kommt. Freude dem, der hier verweilt. Segen dem, der weiterzieht."

Liegt es an der drückenden Last der Gedanken? Niemand aus der Wandergruppe hat ein Auge für das, was links und rechts des Weges liegt, auch nicht die Frau, die vorne weg marschiert. Es ist die Bundesbildungsministerin und Ulmer Bundestagsabgeordnete Annette Schavan. Hinter ihr halten Parteifreunde aus dem südlichen Alb-Donau-Kreis Schritt, alle zusammen sind sie Teil einer "Sternwanderung" der umliegenden CDU-Ortsverbände, die laut dem Einladungstext der "Einstimmung auf den Landtagswahlkampf 2011" dienen soll.

Sie mögen sich nicht besonders, die grau melierten Herren dieses bäuerlich geprägten schwäbischen Landstrichs und die intellektuelle Rheinländerin, die immer so schnell vom Tisch aufsteht und offenbar nicht verstehen will, dass es manchmal ein paar Weinschorle braucht, damit gesagt werden kann, was gesagt werden muss. 2008, im Vorfeld der Bundestagswahl, hat die Nominierungsversammlung der CDU die Berliner Ministerin mit gerade einmal 57 Prozent der Stimmen bestätigt und sie damit nur knapp der Peinlichkeit eines zweiten Wahlgangs enthoben. Am Ausgangspunkt der Sternwanderung in Illerrieden begrüßt der örtliche CDU-Ortsverbandsvorsitzende Siegfried Hutter die Ministerin vor allen Leuten mit "Anne Schavan".

Heute jedenfalls gäbe es etwas zu reden, das die örtliche Basis und ihre Führung einen könnte. Noch brandneu ist die Umfrage von Infratest dimap, die von der Stuttgarter Zeitung und dem SWR in Auftrag gegeben wurde. Sie belegte, wäre jetzt Landtagswahl, die Wahrscheinlichkeit hoher Stimmeneinbußen für die CDU im Land, ihren Machtverlust und die Ausrufung eines grünen Ministerpräsidenten. Das alles vor allem wegen des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21. Auf den Internetseiten sämtlicher CDU-Verbände hatte sich CDU-Generalsekretär Thomas Strobl unverzüglich mit einem Aufruf eingetragen: "Das Ergebnis dieser Umfrage wirkt auf die CDU Baden-Württemberg als Adrenalinschub."

Komisch, in Illerrieden wirkt keines der Gesichter von Stresshormonen gezeichnet. Auf keiner Stirne perlt Angstschweiß. "Die Emotionen und die Schärfe der Demonstrationen erstaunt mich", sagt Jens Kaiser, Bürgermeister von Illerrieden, und das ist schon das Emotionalste, was ihm selber einfällt. Was die Demonstranten bewegt, die nun allabendlich in den Fernsehnachrichtensendungen auftauchen, versteht er nicht. Ganz hinten in der Wandergruppe geht Claudia Steinle. "Wir Ulmer können die Stuttgarter überhaupt nicht verstehen. Die sägen sich ihren eigenen Ast ab", sagt sie. Ihr Ratschlag zur Abwendung von Schlimmerem bei der Landtagswahl klingt simpel: "Die CDU muss eine bessere Pressearbeit machen."

Muss sie nicht, sagt ein Parteifreund, der nicht genannt werden will. Denn die Infratest-Umfrage sei mutmaßlich gefälscht, die Presse überhaupt auf Seiten der Gegner. 70 Prozent der Landesbevölkerung, behauptet der Mann, in fröhlicher Abweisung der aktuellen Zahlen, seien doch insgeheim für den Bahnhofsneubau. Vorne in der Prozession nimmt Annette Schavan einen Schluck aus ihrer Brauseflasche, auch sie gelassen, doch nicht blind. Die Umfrage sei noch während der Schulferien entstanden, die Wirkung der Fernsehbilder verblasse bald wieder, sagt sie. Die CDU müsse in den verbleibenden Monaten bis zur Landtagswahl "die Grünen intellektuell fordern". In Richtung der Projektbefürworter, auch der eigenen Landespartei, fügt sie hinzu: "Man muss auch bereit sein, sich mit den Gegnern zu streiten."

Eine Stunde dauert der Weg von IIllerrrieden zum Gasthaus Drei Mohren in Regglisweiler. Die Halbe Bier kostet 2,30 Euro, der Wurstsalat fünf Euro, ein Seniorenteller acht Euro. Drinnen wartet schon, mit weiteren Sternenwanderern, die Ulmer Sozialministerin Monika Stolz. Lampen verbreiten Schummerlicht, die Milchglasscheiben lassen kaum etwas von der Sonne draußen durch. Girlanden aus Tannenreisigimitat schmücken die Decke.

 

"Ich glaube nicht, dass es nur um Stuttgart 21 geht", sagt die Sozialministerin zum Thema des Tages, um eine bedeutungsschwere Pause einzulegen. Sondern? Etwa darum, dass sich in die Proteste eine virulente allgemeine Unzufriedenheit mit dem Regierungshandeln mischt, die zu erkunden sich lohnt? Dass es ein einig machendes Gefühl der Ohnmacht vieler Einzelner gegenüber den Administrationen gibt? Weit gefehlt. "Ich glaube", setzt Monika Stolz sehr kompliziert nach, "es geht um ein Infragestellen der Wertigkeit einer repräsentativen Demokratie".

Dass in Stuttgart letztlich Chaoten am Werk sind, Eventvolk mit Lust an der Zerstörung, destruktive Kräfte, die es irgendwie geschafft haben, die Vorherrschaft über die Fernsehbilder (und damit der Journalisten) zu bekommen, glauben am Ende die meisten hier. Wo es Gegenöffentlichkeit gar nicht gibt, weil nur eine mit den "Ortskräften" konforme Zeitung da ist, keine Subkultur, weil junge Leute abhauen, die sich von heimatlichen Traditionen eingeschnürt fühlen, urteilt es sich leicht.

Und weil es eigentlich nichts zu diskutieren gibt, wird auch nicht weiter diskutiert an diesem Nachmittag. Doch bevor alle aufstehen und sich auf den Rückweg machen, auf dem es keine Steigungen und keine Unebenheiten gibt, muss der CDU-Vorstand Hutter noch büßen für seinen verräterischen Versprecher, sein Anne Schavan. Monika Stolz, gebürtige Wormserin und der schwäbischen Zunge ebenfalls nicht mächtig, schlägt der Runde vor, eine Resolution pro Stuttgart 21 abzufassen, die dann in die Landeshauptstadt geschickt werden könnte. "Setzen Sie doch schon mal was auf, Herr Hutter", flötet die Ministerin. Überrumpelt tastet Herr Hutter nach einem Stift.


aktualisiert von Thomas Bug, 13.09.2010, 21:29 Uhr
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